Schule in Veränderung

Schon lange, vielleicht schon immer, ist das OSG eine Schule in Bewegung, die sich den jeweils aktuellen Gegebenheiten anpasst und diese als Chance versteht, um das schulische Leben zu verändern. Die rasanten gesellschaftlichen Veränderungen stellen diese Haltung in besonderer Weise auf die Probe. Insbesondere führen die multiplen Krisen, der stark gestiegene Medienkonsum, die rasant zunehmende Heterogenität der Gesellschaft sowie die Tatsache, dass Heranwachsende in dieser Gesellschaft politisch keine Stimme haben, zu  Verunsicherungen, die persönliche Entwicklung erschweren.

Der Blick in die Realität und in die Zukunft

Werfen wir einen Blick auf die Realität und die Zukunft:

1. Alle Menschen (Lehrerinnen und Lehrer, Schüler und Schülerinnen und Eltern) sind verschieden in Bezug auf ihre kognitiven Grundfähigkeiten, ihre Affekte, ihre Motivationslage, ihre Entwicklungsschritte, ihre Verwertung von Feedback,….

2. Die Haltung zum Lernen hat sich in der Gesellschaft verändert. Durch die ständige Verfügbarkeit des Internets und die Allgegenwart der KI wird das Auswendigwissen und das eigenständige Verstehen komplexer Zusammenhänge weniger trainiert.

3. Die Welt, in der sich Menschen zurechtfinden müssen, ist eine komplexe und erfordert deshalb die Fähigkeit, mit Komplexität sozial, kognitiv und affektiv umzugehen.


Bei unseren Überlegungen zur Schulentwicklung nehmen wir die Zukunft unserer Schülerinnen und Schüler in den Blick: Was ist jetzt sofort erforderlich? Welche Dinge sollten mittelfristig implementiert werden und was benötigen Lernende um langfristig ein erfülltes Leben führen zu können.

 

Wissenschaft, Erfahrung und Austausch

Einige Antworten dazu liefert die Wissenschaft, einige Antworten liefern unsere Erfahrungen und unser Blick in die Welt und einige liefern die jungen Menschen selbst oder ihre Eltern. Und einige Antworten sind leider völlig unklar. Insbesondere über diese, aber auch darüber, was all diese Antworten für Schule bedeuten, müssen und wollen wir diskutieren und uns austauschen.

OSG als Schule derZukunft

Bei der Podiumsdiskussion in unserem Jubiläumsjahr 2021/22 zum Thema „Schule nach Corona“ kristallisierten sich einige Antworten auf die Frage heraus, wie Schule sich entwickeln sollte. Für uns als OSG sind bis heute die folgenden Punkte aktuell und wichtig dafür, dass Schule zukunftstauglich ist:

Möglichkeiten zu individuellen Lernwegen – Was benötigen einzelne Lernende jetzt und was ist verzichtbar?

Es gibt so viel zu lernen, die Welt ist so komplex und so sehr von Veränderung geprägt. Es ist uns wichtig, dass die jungen Menschen die Chance haben, ihre Zeit in der Schule sinnvoll zu nutzen. Das bedeutet, dass nicht alle dasselbe und gleich schnell tun, schlicht, weil nicht alle dieselben Voraussetzungen und Talente mitbringen. Nur so haben sie zudem die Möglichkeit zu lernen, wie sie selbst am besten lernen und damit die Fähigkeit erwerben, sich Veränderungen anzupassen. In den letzten drei Jahren haben wir verstärkt Konzepte erprobt und etabliert, die der Idee des "maßgeschneiderten Lernens" (Hattie 2025) gut entsprechen: Lernende arbeiten phasenweise in Kleingruppen und auch in individuellen Projekten.

Aktuell arbeiten wir an einer Umstellung unserer Lernzeiten zu echten LERN-Zeiten.

Verantwortungsübernahme für den eigenen Lernweg – Wo möchte ich hin und wie schaffe ich das?

Nicht jede und jeder hat dieselben Stärken und Leidenschaften – und das ist gut so. Denn unsere Welt braucht die Verschiedenheit. Verschiedene individuelle Schwerpunkte zu setzen und verschiedene Talente zu entwickeln, kann aber nur funktionieren, wenn nicht jeder Schritt durch Lehrkräfte vorgegeben und eingefordert werden muss, sondern wenn jede und jeder Einzelne sich geeignete Ziele sucht und verfolgt.
Für diese Verantwortungsübernahme wollen wir als Schule nicht nur die Möglichkeiten schaffen, sondern die Lernenden auch darin unerstützen, "Könnenwollen" (Bonath 2020) zu entwickeln.

Tragfähige Beziehungen und Engagement für andere, Partizipation – Was kann ich tun, damit es uns allen gut geht?

Grundvoraussetzung für individuelle Lernwege und die Befähigung zur Verantwortungsübernahme sind tragfähige Beziehungen zwischen allen an Schule Beteiligten, die offene, ehrliche Kommunikation, Beratung und Unterstützung ermöglichen. Und es ist erforderlich, über den geeigneten Weg streiten und Dinge ausprobieren und dann sachlich reflektieren zu können.
Wir wollen als Schule an den Beziehungen und an guter Kommunikation arbeiten und streben eine offene Auseinandersetzung an, um einen guten Weg zu finden. Aktuell arbeiten wir an einem Konzept, um Beratung und formatives Feedback in den Schulalltag zu integrieren.

Fächerverbindender Blick und einzelfachliche Stärke – Wo findet sich das zu Lernende in der Realität wieder?

Zur Problemlösung in der Welt kann man nur nutzen, wovon man weiß, dass es existiert und was man damit machen kann. Vernetzen kann man nur Dinge, die im eigenen Gehirn abrufbar sind. Kreative Lösungen entstehen nur aus fundiertem Wissen. Schule muss deshalb Verschiedenes im Blick behalten: Den sicheren Erwerb der Dinge, die man wirklich wissen oder beherrschen sollte, den Überblick und die Fähigkeit, mit dem, was man weiß, neue Probleme zu lösen, sowie die Vermittlung der Tatsache, dass die schulischen Inhalte lebensrelevant sind.

Wir versuchen verstärkt, Metawissen über das Lernen besser in den Fachunterricht zu integrieren und Schulwissen und Lebenswirklichkeit immer besser zu verbinden. Hierzu arbeiten wir aktuell an der Ausweitung der Intensivzeiten und der Inhalte von Gehirn und Lernen (=GuL).

Gesunde Schule – Wie stellen wir sicher, dass alle in der Schule mental und körperlich gut leben können?

Veränderungen erfordern Entscheidungen, Entscheidungen bringen veränderte Anforderungen mit sich und Veränderung im Verhalten erfordert ein Mehr an Einsatz und kognitiver Kontrolle gegenüber eingeübten Routinen. Diese Anforderungen angemessen zu verteilen, individuell angemessen zu bewerten und organisatorisch so zu gestalten, dass sie nicht zum erdrückenden Stress, sondern zur beglückenden Kontrollerfahrung werden, nehmen wir als wichtige Aufgabe der Schule wahr.
Wir arbeiten daran, Ideen der positiven Psychologie bewusst in den Schulalltag zu integrieren und den positiven Emotionen mehr Beachtung und Raum zu schenken ohne die negativen zu negieren.

Wichtig ist darüberhinaus der Diskurs zu der Frage, welche Inhalte wie viel Raum einnehmen sollen und auf welche Weise fächerübergreifende, wichtige Themen wie der Umgang mit digitalen Medien, Nachhaltigkeit und Demokratiefähigkeit gut eingeübt werden können.